Mittwoch, 6. April 2011

Neue Idee - neues Thema - neues Blog

Hallo zusammen,

nachdem ich doch einige Nachfragen hatte, ob ich nicht weiterschreiben könnte, habe ich vor kurzem eine Idee gehabt, worüber ich momentan schreiben könnte. Das Ergebnis und meine ersten Beiträge findet ihr unter folgender URL:
http://kampfmuffin.blogspot.com/


Viel Spaß,
Sandra

Donnerstag, 23. September 2010

Ab nach Hause!

Um jeglichen Problemen mit der Mietwagenrückgabe, meinen Flugtickets, Flugumbuchungen usw. gleich vorzubeugen erreichten wir mit unserem Mietwagen den Flughafen schon gegen halb drei, obwohl unser Flug erst um 19.00h ging.
Vor der Rückgabe des Mietwagens graute es mir am meisten. Hoffentlich mussten wir uns nicht doch noch wegen irgendwelchen Schäden rumärgern. Letztendlich lief es aber so ab, dass wir mit dem Auto in die Tiefgarage fuhren. Hier war deutlicht ausgeschildert: Car Rental Return (also Mietwagenrückgabe) und die jeweilige Firma. Bei unserer Firma kamen gerade mehrere an und eine Frau bedeutete uns einfach in einer Schlange hintereinander stehen zu bleiben. Wir konnten dann gleich aussteigen und ausladen. Wir gaben unsere "Sally" - das Navi - zurück und sie gab unseren Namen und den Meilenstand in einen kleinen Computer ein. Wir bekamen einen Beleg und das war's. Nach fünf Minuten hatten wir das erledigt.
Mit einer kleinen Bahn fuhren wir dann kreuz und quer übers Flughafengelände, bis wir bei den internationalen Departures (Abflüge) aussteigen konnten. Ein kurzer Blick auf die Übersichtstafeln zeigte uns, dass die Schalter unserer Fluggesellschaft natürlich ganz am anderen Ende der Halle waren. Also marschierten wir mit Sack und Pack an allen anderen Fluggesellschaften vorbei. Bei unserer herrschte gähnende Leere, gut, dass wir so früh waren, so kamen wir gleich dran.
Wider Erwarten war mit unseren Tickets diesmal alles in Ordnung und auch für unseren Flug war noch keine Verspätung angesagt, so waren wir auch hier innerhalb von fünf Minuten durch.
Wir nutzen die verbliebene Zeit um noch ein paar Mails zu beantworten, einen Blogeintrag zu schreiben, die letzten Dollar auszugeben und das spannende Hörbuch weiterzuhören. Eigentlich verging die Zeit schnell und schon bald hieß es "bitte einsteigen!".
Schon im Flugzeug war man so halb wieder in Deutschland, da doch auch viele Deutsche mitflogen (es war übrigens ein Direktflug nach Frankfurt).
Ich hatte mir große Sorgen wegen der Länge des Fluges (10,5h) gemacht, aber eigentlich lief das alles ganz super. Nach dem Abendessen (Pasta or Chicken? / Nudeln oder Hähnchen) wurde das Licht gedimmt und wir versuchten zu schlafen - dabei sehr hilfreich waren Ohrenstöpsel, Nackenkissen und Schlafmaske - so schliefen wir tatsächlich bis wir durch das Frühstück geweckt wurden. Bis nach Frankfurt waren es noch ca. 1,5h.
Nach der Landung vertrieben wir uns im Chaos-Flughafen Frankfurt unsere zwei Stunden Wartezeit damit unser nächstes Abfluggate zu suchen und auf dem Weg dahin mit der Passkontrolle und einem erneuten Sicherheitscheck - immerhin muss man sich in Deutschland scheinbar nicht die Schuhe ausziehen.
Das Flugzeug nach Hannover war rappelvoll, aber für das Stündchen ist das ja alles kein Problem. Obwohl es inzwischen Sonntag Nachmittag war, waren wir ziemlich wach, naja, gefühlt war es halt noch morgens.
Meine Eltern holten uns aus Hannover ab, das ist für mich ja fast schon ein Ritual, wie immer, wenn man in Hannover die Treppe zur Gepäckabholung runterkommt, geht der erste Blick durch die Glaswände und wie immer standen sie dort gespannt und winkten uns zu.
Als wir dann auch noch unsere Koffer recht zügig bekamen, war auch die letzte Hürde der Rückreise genommen.
Zuhause angekommen genossen wir es zu kochen, da der Kühlschrank leer war gab es Nudeln mit Fertigtomatensauce und das war nach dem ganzen amerikanischen Essen ein richtiges Fest. Danach packten wir schon mal aus. Leider war es draußen schon dunkel, aber wir waren jetzt hellwach. Um halb zwölf nachts gingen wir schlafen, aber um zwei trafen wir uns wieder im Wohnzimmer (der gefühlte Mittagsschlaf war halt vorbei). Da uns der Magen knurrte gab es noch eine Tütensuppe und um vier gingen wir wieder schlafen. Ich schloß die Augen und dachte noch kurz daran, den Wecker zu stellen - aber nein, wir haben doch Urlaub! Als ich dann die Augen wieder öffnete schien die Sonne ins Schlafzimmer. Mein Blick fiel auf die Uhr 13:15h - ich weckte Lars: "Wir müssen aufstehen, der halbe Tag ist schon rum!"
Seit dem versuchen wir den Jetlag zu überwinden, man sagt ja der Körper schafft eine Stunde pro Tag, also haben wir schon vier geschafft. Bleiben noch fünf!

San Francisco

Unser Hotel in SF hatten wir vorab aus Deutschland gebucht und schon dabei festgestellt, dass SF scheinbar die teuerste Gegend unserer ganzen Reise war. Unser Motel hier war fast so teuer wie unser 5*-Hotel in Las Vegas.
Leider war das Hotel in SF dann trotzdem schlecht. Das Zimmer war ok, was die Einrichtung und Sauberkeit anging, aber wir hatten kaum Licht, es war sehr laut, das Frühstück war eine Katastrophe und in den 2,5 Tagen, die wir da waren, haben die es nicht geschafft, das Internet zuverlässig zum Laufen zu kriegen, weshalb ich die letzen Blogeinträge von zu Hause schreiben muss (ich hoffe mit diesem Satz habe ich jetzt nicht die ganze Spannung weggenommen, quasi das Ende des Romans verraten - aber ja, wir sind inzwischen gut zu Hause angekommen :-) )
Am Vorabend unserer Abreise waren wir mit Risa, einer Freundin von mir, zum Essen verabredet. Sie hat vor zwei Jahren geheiratet, und wir waren beide ganz gespannt endlich ihren Mann kennenzulernen. Den Tag verbrachten wir mit Sightseeing und Bummeln - ich fand einen ganz tollen Küchenladen, den ich am liebsten sofort leer gekauft hätte, wäre das nicht alles so teuer gewesen und wenn ich gewusst hätte, wie man den ganzen Kram nach Hause transportiert - ich werde auf jeden Fall mal schauen, ob die einen Online-Shop haben.
SF ist eine schöne Stadt aber alles in allem fühlten wir uns etwas überfordert mit dem Trubel nach der Ruhe und Einsamkeit der Nationalparks der letzten Tage. Ein zusätzlicher Tag zur Eingewöhnung wäre wahrscheinlich nicht ganz schlecht gewesen.
Abends war es dann soweit. Obwohl wir uns Jahre nicht gesehen hatten fanden wir uns am Union Square wieder. Eigentlich war Lars der erste, der die beiden entdeckte.
Scott, Risas Mann, war uns sofort sympatisch - wir verstanden uns auf Anhieb und auch mit Risa war es sofort so vertraut, als ob wir uns gestern das letzte Mal gesehen hatten.
Die beiden hatten ein schönes Restaurant hoch oben auf einem Hochhaus ausgesucht, dort herrschte ein Riesengedrängel zwischen den vielen Leuten, die auf einen Tisch warteten. Aber Risa und Scott hatten schon einen Tisch reserviert, so mussten wir nicht anstehen.
Das Essen schmeckte sehr gut, und es tat gut, nach so langer Zeit sich auch mal wieder mit jemand anderem richtig gut zu unterhalten. Am nächsten Tag sollte Abends unser Flug gehen, und wir verabredeten uns mit den beiden für morgens, sie wollten uns den Markt und den Fischereihafen zeigen.
Wir standen also um halb acht auf und packten unsere Koffer. Ich war skeptisch wie wir den ganzen Haufen Unordnung, der sich inzwischen angesammelt hatte wohl in die zwei Koffer bekommen sollten, aber nach kurzer Zeit stellte sich heraus, das alles doch ganz gut passte. Unsere Kofferwage gab an, dass wir insgesamt sogar noch ca. 2 kg Luft hatten (allerdings kaum noch Platz).
Über diese typischen bergig-steilen Straßen in SF fuhren wir zu Risa und Scott. Es regnete leicht und uns war beiden bei jedem Stoppschild mulmig zu mute. Würden wir hier (quasi im Liegen) anfahren können? Trotzdem ging es ganz gut, manchmal drehten die Räder halt leicht durch.
Risa fuhr dann bei uns mit um uns den Weg zu einem kostengünstigen Parkhaus zu zeigen.
Der Markt war riesig und eigentlich vergleichbar mit einem großen deutschen Markt. Grundsätzlich gab es auch die gleichen Sachen, mit ein paar Abweichungen: Pfirsiche waren immer so groß wie bei uns Grapefruits, es gab super viele Tomatensorten, natürlich auch exotisches und überall durfte man probieren (das machte unser schlechtes Frühstück im Hotel wieder wett).

Anschließend bummelten wir an der Promenade endlang bis zum Pier 39 - ein berühmter Platz mit vielen Restaurants und schwimmenden Plattformen für Seehunde. Dort aßen wir Mittag: das berühmte Sauerteigbrot von San Francisco (von dem wir zuvor noch nie etwas gehört hatten) - und zwar als Suppenschüssel aufgeschnitten und mit Suppe gefüllt. Das war echt lecker! Allein hätten wir dieses Restaurant wohl nie gefunden, aber gut, dass wir ortskundige Führer hatten.

So langsam mussten wir zurück zum Auto spazieren und uns von Risa und Scott verabschieden. Aber vielleicht besuchen sie uns nächstes Jahr - da wollen sie nämlich nach Griechenland und kommen da ja quasi bei uns vorbei...

Ein freier Tag


Nach zweieinhalb Tagen Yosemite und vier Nächten im Zelt machten wir uns auf grob Richtung San Francisco um mal wieder eine normale Nacht verbringen zu können ohne Tiergeräusche und dem Gefühl auf Bären aufpassen zu müssen.
Auf unserem Weg hatten wir uns zwei kleine Wanderungen / Spaziergänge vorgenommen. Der erste zum Bridalveil Waterfall - wir waren gespannt, was ein Wasserfall wohl mit einer Braut zu tun haben konnte, und danach im Wald um uns die riesigen Sequoia-Bäume anzuschauen.
Ein kurzer Spaziergang - wegen meines Muskelkaters trotzdem ziemlich schmerzhaft - lüftete das Geheimnis um den Wasserfall: Obwohl oben relativ viel Wasser über die Kante floss und unten viel Wasser ankam, zerstäubte das Wasser dazwischen in einen feinen Nebel der sich wie ein Schleier über die Felswand ergoss.

Die Wanderung zu den Sequoia Bäumen war für Muskelkatergeplagte schon anspruchsvoller, denn es ging zuerst fast nur bergab. Damit ich überhaupt einigermaßen laufen konnte hielt Lars mich am Rucksack fest, so konnte ich bergab gehen, als wenn es bergauf ginge. Sah bestimmt total komisch aus, half aber sehr. Nach einer halben Stunden gelangten wir endlich zum ersten Baum. Echt riesig. Man kann das gar nicht so beschreiben. Auch Fotos hatten wir ja vorher schon gesehen, aber irgendwie ist das nicht das gleiche. Der erste Baum hatte einen Durchmesser von ca. 4 Metern (nur der Stamm) und wuchs bis in den Himmel.
Wir konnten uns gar nicht satt sehen. Irgendwo war ein umgestürzter Baum, da konnte man längs durch den Stamm durchgehen. Mir war das ja zu dunkel und schmutzig, aber Lars war sofort drinnen verschwunden. Nach gefühlten 10 Minuten tauchte er am anderen Ende wieder auf. Von Kopf bis Fuß mit einer rot-braunen Staubschicht überzogen (das letzte Stück musste er wohl kriechen), sah er mich mit leuchtenden Augen an: "Das war toll!"

Zurück am Auto ging es dann weiter. Wir fuhren mal wieder über kurvige Bergstraßen durch und um goldene Hügel herum. Das mit den goldenen Hügeln ist übrigens nicht übertrieben, denn die Hügel waren fast ausschließlich von trockenem Gras bewachsen, das in der Nachmittagssonne golden leuchtete. Kurz vor unserem Ziel fuhren wir noch durch SF und überquerten bei Beginn der Dämmerung die Golden Gate Bridge. Wir konnten zuvor grad noch ein Foto machen, dann gab nach 4,5 Tagen der Akku der Kamera endgültig auf. Nördlich von SF fanden wir ein nettes Hotel. Unser Hotel direkt in SF hatten wir erst ab dem nächsten Tag gebucht. Todmüde fielen wir Abends ins Bett.

Am nächsten Morgen beim Frühstück saßen wir mit Reiseführer und Landkarten am Tisch. Wir hatten einen Tag frei. Hier war nichts geplant, eigentlich hatten wir uns den Tag aufgehoben, sollten unsere Strecken pro Tag doch zu lang sein, aber das hatte ja alles richtig gut geklappt.
Wir entschieden noch eine Ecke weiter nördlich zu fahren um dann von dort die Küstenstraße Nr. 1 wieder bis nach SF zurück zu fahren. Die Sonne schien, die Luft war klar und wir hofften wenigstens einen Teil der Küstenstraße auch mal ohne Nebel zu sehen.
Also gings los. Ich hatte auf der Karte einen Freeway ausgesucht, der uns direkt nach Norden bringen sollte, dann eine schnurgerade Straße, die uns zur Küste brachte. Auf dem Freeway kamen wir gut voran und nach einer Stunde fuhren wir ab und auf die Verbindungsstraße zur Küste. Leider stellte sich heraus, dass diese in Wirklichkeit gar nicht schnurgerade war sondern sich in Serpentinen durch bergigen Wald schlängelte. Irgendwann gegen Mittag hatten wir es dann geschafft: Wir sahen das Meer - und zwar im schönsten Sonnenschein!
Eine halbe Stunde später knurrte uns der Magen und wir stoppten in einem kleinen Künstlerort auf der Suche nach einem Mittagessen. Da das Wetter so schön war und in der Nähe ein toller Strand überlegten wir nach dem Essen doch noch mal baden zu gehen. In einem kleinen Restaurant mit Meerblick fanden wir einen Platz. Während wir auf unser Essen warteten beobachteten wir eine winzige Wolke, die sich wie ein fluffiger Faden aus dem Meer löste und sich den Strand hochschlängelte. Während wir aßen beobachteten wir, wie der Faden - der sich offensichtlich vom Meer "ernährte" - immer länger und voluminöser wurde. Schon 10 Minuten später war der Strandbereich auf den wir blickten von der Nebelschwade bedeckt. Nach 20 Minuten war vom Strand kaum noch was zu sehen und nach 30 Minuten schien auch bei uns die Sonne nicht mehr.
Als wir weiterfuhren erkannten wir, dass dieser Ort nicht die einzige Stelle war, die plötzlich im Nebel war - überall herrschte mal wieder unser Standard-Pazifik-Wetter. Somit fiel also auch der geplante Badestopp aus.
Wie am ersten Tag südlich von SF schlängelte sich auch an diesem Tag nördlich der Highway Nr. 1 an der Küste entlang. Trotz Nebel wurden wir zwischendurch immer wieder mit tollen Aussichten übers Meer und die Küste belohnt.
Abends zurück in SF überquerten wir wieder die Golden Gate Bridge, allerdings war es so nebelig, dass man weder von der Brücke noch vom Meer etwas sehen konnte. Was hatten wir am Vortag für ein Glück gehabt!

Samstag, 18. September 2010

Im Bärenland

Mit der Heizung unseres Mietwagens auf Vollanschlag flohen wir vor der Kälte und fuhren ins Tal, strubbelig, ungewaschen und ohne Frühstück, aber mit guter Laune. Sowas hatten wir ja noch nie erlebt!
Vorbei an Wiesen gesäumt mit Büschen und Bäumen unterbrochen von spiegelglatten Seen vor beeindruckender Bergkulisse angestrahlt von den ersten Sonnenstrahlen fuhren wir die kurvige Straße hinunter. Würden wir es doch schaffen einen Campingplatz im Tal zu ergattern von Leuten die kurzfristig abgesagt hatten?
Wir beschlossen nicht unterwegs zu frühstücken sondern zu allererst zur Campground Reservation zu fahren. Nach 1.5 Stunden waren wir da und stürmten das kleine Holzhäuschen. Ein ungefähr 60-jähriger Ranger begrüßte uns freundlich: What can I do for you? Wir fragten, ob es eine Möglichkeit gäbe noch im Tal mit einem Zelt unterzukommen. Er erklärte uns, dass es einen Walk-In-Campground (also man kann nicht mit dem Auto reinfahren) - Camp 4 - gäbe, der auf first-come-first-serve Basis wäre (wer zuerst kommt mahlt zuerst), da waren vor ner halben Stunde noch 50 Plätze frei. Außerdem würde er uns auf eine Warteliste für die anderen drei Campgrounds setzen. Dort würden um drei Uhr nicht besetzte Plätze auf die Wartenden verteilt. Dafür müssten wir um drei wiederkommen, wer dann nicht da ist bekommt nichts.
Ich fragte, wie groß die Wahrscheinlichkeit wäre einen Platz zu kriegen (wir waren auf Platz 11 der Warteliste) und er sagte, am Vortag hätten wir was bekommen, aber es wäre jeden Tag anders. "So, if you want to be sure you go to Camp 4 and if you want to gamble you come back at three..."
Wir beschlossen einen Blick auf Camp 4 zu werfen und fuhren hin. Die Plätze waren sehr klein, ziemlich viele "Hippies" waren dort und überhaupt sah es ziemlich nach Party aus. Trotzdem stellten wir uns an und beobachteten einen verstört dreinblickenden Teenie, der irgendetwas suchte. Wir bekamen mit, dass in der letzten Nacht drei Bären das Lager heimgesucht hatten und scheinbar mehr, als nur essen mitgehen lassen hatten. Das war der Moment als wir uns entschieden zu "gambeln" und zu hoffen um drei einen Platz zu bekommen.
Wir fuhren zu einem Picknickplatz und aßen endlich Frühstück dabei schauten wir auf unsere Wanderkarte und suchten uns einen gemütlich aussehenden Wanderweg von ca. 7 km zu ein paar Wasserfällen aus, den wir locker bis drei schaffen konnten - jetzt war es elf.
Aber wie fast immer wenn ich wandern gehe kam alles anders als geplant. Schon die ersten Meter entpuppten sich als ziemlich steiles Auf und Ab, aber wir kamen gut vorran. Immer mit Blick auf die Uhr, damit wir uns zurück nicht abhetzen mussten gingen wir weiter. Nach ca. einer Stunde erreichten wir eine Brücke, quasi unser erster Meilenstein. Dort hörten wir schon Leute diskutieren, dass es zwei Wege gäbe einen langen nicht so steilen und einen mit vielen steilen Treppenstufen.
Wir entschieden uns für den kurzen Weg und was dann folgte wurde mehr und mehr zu der Treppe, die Frodo hochkraxeln musste. Bis zu Kniehohe Stufen in schwarzem Fels und hinter jeder Biegung ging es immer noch weiter. Hätte man nicht nach einiger Zeit den wunderschönen Wasserfall erst gehört und dann gesehen, wären wir vielleicht umgedreht.
Irgendwann waren wir endlich oben, durchgeschwitzt, aber glücklich. Insgesamt waren schon mehr als 1.5 h vergangen und mir graute es bereits vor dem Rückweg, da ich manchmal Knieprobleme habe.
Nach einer kurzen Mittagspause entschieden wir den längeren Weg zurück zu gehen, in der Hoffnung, dass das trotzdem schneller gehen würde als die Treppe. Gesagt, getan, mit stetem Blick auf die Uhr liefen wir schnellen Schrittes über unzählige staubige Serpentinen den Weg zurück und wir schafften es gerade so zur Platzvergabe. Den dritten Tag ohne Dusche, völlig verschwitzt, strubbelig und von oben bis unten mit rotbraunem Staub bedeckt sehnte ich mittlerweile wirklich eine Dusche herbei.
Aber zuerst ging es um unseren Schlafplatz. Schon als der Ranger Punkt drei vor die Tür und die etwa 40 Leute trat, die dort gespannt warteten spähte ich auf sein Clipboard, und ich glaubte 20 Plätze zu erkennen. Und tatsächlich - wir bekamen einen Platz und ich fragte den Ranger: Was machen wir wenn wir im Zelt liegen und einen Bären sehen oder hören? Oh, sagte er, ihr geht aus dem Zelt, schreit den Bären an, macht Krach, klatscht in die Hände und geht auf ihn zu, damit er Angst bekommt. Na super, dachte ich.

Zufällig schnappten wir die Information auf, dass es hier auch Duschen gäbe, also beschlossen wir erst mal es uns und unsere Mitmenschen leichter zu machen und es den Bären zu erschweren uns zu finden.
Am Eingang des Campingplatzes stand eine Tafel: Dieses Jahr bis heute 400 "bear encounters" und 16 verwüstete Autos. Die Zahlen waren mit einem andersfarbigen Stift geschrieben und schon oft weggewischt worden. Auf dem Campingplatz packten wir mittlerweile routiniert unser Zelt aus und füllten den Bärenlocker. Wir waren beide vom Wandern völlig fertig. Beim Abendessen (HotDogs vom Grill) kam ein Ranger vorbei und machte Werbung für sein kostenloses Abendprogramm - ein Vortrag über giftige Tiere und Pflanzen hier im Tal. Wir beschlossen hinzugehen und lernten allerhand Neues, z.B. dass wenn man von einem Marienkäfer vollgeschissen wird, das in Wahrheit chemische Kriegsführung ist, da das gar kein Kot sondern Gift ist, was uns bloß nichts ausmacht.
Er erzählte auch von Skorpionen, Fröschen, Wespen, Taranteln - alles sehr interessant. Später im Zelt hörten wir das Hörbuch weiter, es wurde immer gruseliger.
Sagen wir, ich schlief recht unruhig. Mitten in der Nacht schrak ich hoch. Hatte ich nicht grad etwas dicht am Zelt gehört? Ich lauschte angestrengt. Lars schlief tief und fest (er würde zu Hause noch nicht mal aufwachen wenn sein Handy piept oder Einbrecher die Scheibe zerschlagen).
Da war es wieder, leise Schritte - oder hatte ich mir das eingebildet? Ich versuchte mich damit zu beruhigen, dass es definitiv anders klingen müsste, wenn ein Auto verwüstet würde. Aber nein, ganz leise hörte ich Schritte, nicht zielgerichtet, wie bei einem Menschen sondern mal mehr links und mal mehr rechts, es musste etwas größeres sein. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen, öffnete das Zelt ein kleines Stück und spähte hinaus, es war stockdunkel, aber ich sah grob unser Auto, allerdings kein Tier und kein Ungeheuer. Ich legte mich wieder hin und lauschte weiter. Die Schritte kamen noch mal näher, dann war es still.
Irgendwann musste ich eingeschlafen sein. Beim nächsten Mal schraken wir gleichzeitig auf. Auf dem Campingplatz war Geschrei, durch die Zeltwand sahen wir tanzende Lichter. "No, go away!"
Diesmal scheuchte ich Lars aus dem Schlafsack um nach dem rechten zu sehen. Zum Glück entfernten sich die Stimmen immer mehr.
Bald würde es hell werden. Irgendwann schliefen wir erschöpft wieder ein.
Am nächsten Morgen hatte ich Probleme aus dem Zelt zu kriechen, alles tat mir weh. Wir verbrachten den Tag mit gemütlichen Spaziergängen und faulenzen, wieder spekulierten wir auf einen nicht vergebenden Campingplatz. Ich hatte so einen Muskelkater, dass jeder Schritt eine Qual war. Durch Zufall sahen wir später auf einer anderen Wanderkarte, dass der Wanderweg zu den Wasserfällen der zweitschwerste überhaupt war. Auf jeden Fall hatte ich noch drei Tage was davon...
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Donnerstag, 16. September 2010

Irgendwie ist man nie zufrieden

Nach der Übernachtung am Death Valley fuhren wir Richtung Nord-Westen. Ziel waren zuerst die Mammoth Lakes. Bei schönstem Wetter machten wir hier nach anstrengender Serpentinenkurverei eine kleine Wanderung durch ein wirklich wunderschönes Tal mit Bach, Wiesen und Wald zum Devils Postpile - eine Gesteinsformation aus erkalteter Lava.
Mit Blick auf die Uhr und dem Gedanken, dass wir noch keinen festen Schlafplatz für die Nacht hatten, machten wir uns wieder auf den Weg (die Erfahrung hat uns ja gelehrt, dass wir spätestens bis 17 Uhr einen Schlafplatz gefunden haben sollten, erst recht, wenn wir campen wollen und nicht im stockdunkeln essen wollen).
Je größer der Abstand zum Death Valley und je mehr Vegetation zu sehen war, desto angenehmer waren die Temperaturen. Unser nächstes Ziel war der Mono Lake - der größte durch einen Krater entstandene See zumindest Amerikas, so groß, dass wir den schon auf unserem Flug nach San Francisco locker als großen See aus dem Fenster erkannt hatten. Hier wollten wir irgendwo einen Campingplatz suchen um dann am nächsten Tag über den Tioga Pass ins Yosemite Valley zu fahren.
Da wir den Campingplatz aus dem Reiseführer nicht sofort finden konnten fuhren wir ins Mono Lake Visitor Center.
Die super nette Frau dort fragte uns, ob wir am nächsten Tag ins Yosemite Tal wollten. Wir bejahten dies, dann fragte sie: Are you prepared for camping in the cold? Darüber hatten wir vorher schon diskutiert, immerhin waren wir schon wieder hoch im Gebirge, aber unser Zelt ist gut, wir haben gute Schlafsäcke, wir haben warme Socken und Fleecejacken, also sollte das schon gehen. Zur Sicherheit fragte ich noch schnell: How cold? Sie zeigte mit den Wetterbericht für den Pass als den kältesten Punkt. Dort wurden so ca. fünf Grad für die Nacht angezeigt. Lars und ich diskutierte noch kurz die Komfortbereiche unserer Schlafsäcke, dann sagten wir: Ja, dass müsste gehen.
Dann zeigte sie uns auf einer Karte die umliegenden Campingplätze aber sagte dann folgendes: Ich an eurer Stelle würde über jetzt gleich über den Tioga Pass fahren, in den Yosemite Park hinein, kurz danach gibt es einen Campingplatz, bis dahin braucht ihr eine Stunde und ihr habt morgen bessere Chancen einen Campingplatz im Tal zu ergattern, wenn ihr früh aufsteht.
Das war natürlich ein super Tipp - ich hatte nämlich gar nicht mit Campingplätzen im Tal gerechnet, die muss man nämlich ca. fünf Monate vorher reservieren.
Mit der letzten durchschwitzten Nacht im Death Valley schreckte uns auch eine kühle Nacht nicht.
Die Fahrt über den Pass war landschaftlich schön, aber nicht so spektakulär wie ich gedacht hatte. Am Campingplatz bekamen wir einen Platz zugewiesen und einen gelben Zettel unter die Nase gehalten, den Lars unterschreiben sollte.
Gleichzeit sagte der Ranger (eine Frau) wir haben hier sehr aktive Bären.
Lars sagte: Oh yes, we will leave all the food in the car.
Ihre Stimme wurde eine Oktave höher und sie machte ein Gesicht, als ob sie nicht wusste, ob sie verarscht wird oder nicht: In the car???!?!?
Lars nickte ernst. Sie holte tief Luft und klärte uns dann auf (immernoch mit Entrüstung in der Stimme), dass gerade Essen in Autos den größten Sachschaden verursacht, da die Bären die Autos aufbrechen und völlig verwüsten.
Wir müssten alles Essen, alles was nach Essen riecht, alles was überhaupt einen Geruch hat wie Toillettenartikel, egal ob noch verschlossen oder nicht in bärensichere Container packen, die an jedem Platz stehen.
Ich wurde rot (ich hatte Lars Idee die Sachen im Auto zu lassen eigentlich ziemlich gut gefunden).
"OK, we get it"
Wir unterschrieben den Zettel mit den Bärenregeln und legten ihn in die Windschutzscheibe.
Im Einbruch der Dunkelheit bauten wir eifrig das Zelt auf. Sobald Lars meine Hilfe nicht mehr brauchte, durchforstete ich das Auto nach Essbarem o.ä.. Da wir ja schon ziemlich lang unterwegs waren fand sich quasi überall etwas: Die Getränke und Kekse in Reichweite während der Fahrt, unsere Vorräte auf dem Rücksitz, die Reiseapotheke im Kofferraum, die Kulturtaschen im einen Koffer, das Geschenk für unsere Freunde in SF im anderen Koffer, und überall noch Kleinkram wie das letzte Müsliriegel im Rucksack. Ich war etwas eingeschüchtert, das Letzte, was wir in unseren Flitterewochen gebrauchen konnten, war, dass ein Bär unseren Mietwagen auseinander nimmt, ob das überhaupt die Versicherung bezahlen würde?

Bald war alleas verstaut und Lars machte Feuer. Ich zog schon mal meine Jogginghose mit Rollkragenpullover, Fleecejacke, Windjacke und dicke Socken an, denn es wurde bereits recht kühl. Nach dem Essen wurde es dunkel und wir verbrachten noch eine Stunde stehend mal mit dem Gesicht, malmit dem Rücken zum Lagerfeuer um uns beidseitig zu wärmen. Ich beobachtete die anderen Camper in Daunenjacken und Mützen und wurde etwas nervös.
Irgendwann reichte es uns und wir krochen ins Zelt und zogen die Schlafsäcke bis über die Ohren. Da es noch zu früh zum Schlafen war hörten wir ein Hörspiel, dass mir von einem Kollegen empfohlen worden war, es ist ziemlich gruselig (was mir vorher nicht so richtig klar war) und also genau das Richtige für eine geruhsame Nacht im Zelt, wenn man sowieso schon Angst vor Bären hat - danke Thomas ;-)
Irgendwann beschlossen wir zu schlafen.
Die ganze Nacht lauschte ich mit halbem Ohr auf die Geräusche im Wald und wir vergewisserten uns gegenseitig abwechselnd, dass der andere noch nicht am Schlottern vor Kälte war. Irgendwann wurde es endlich hell und wir hörten andere Camper aufbrechen. Wir beschlossen ebenfalls aufzustehen und zwar schnell und ohne Frühstück um erst mal im Auto auf dem Weg warm zu werden. Als ich aus dem Zelt kam dachte ich, dass es sich irgendwie kälter als fünf bis zehn Grad an fühlte, aber ich schob das darauf, dass wir die letzten Tage ja bei dreißig Grad und mehr verbracht hatten - bis wir dann beim Zeltabbauen Eis auf den Zeltstangen fanden.
So schnell wir konnten räumten wir alles zusammen und sprangen ins Auto. Das zeigte uns dann auch 30 Grad Fahrenheit (-1 Grad Celsius) an.
Da übernachte ich doch lieber in der Hitze...
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Sonntag, 12. September 2010

Das Tal des Todes

Bei angenehmen 85 Grad Fahrenheit verließen wir gestern Las Vegas und innerhalb von einer Stunde wurde die karge Landschaft noch kärger, hin und wieder unterbrochen von ein paar staubigen Hütten ggf. mit einer Tankstelle wo das Benzin fast doppelt soviel kostete wie in der Stadt mit Hinweisstellen, dass in den nächsten ca. 80 Meilen keinerlei "services" zu erwarten sein.
Dann fuhren wir ins Death Valley umgeben von braunen Geröllhügeln. Mal gab es ein paar kleine gelbbraune Büsche mal auch gar nichts. Auf jeden Fall hatten wir einen guten Tag für diesenn Ausflug erwischt, die Temperaturen stiegen nicht höher als 40 Grad Celsius.
Als erstes erreichten wir den Punkt Badwater, seinen Name hatte die Stelle erhalten, als die ersten Leute sich durchs Death Valley quälten, dann endlich Wasser fanden, aber feststellen mussten, das es sich um Salzwasser handelte.
Gleichzeitig ist dort die tiefste Stelle der USA (-298 feet, also ca. 100m unter NN glaube ich).
Wir stiegen sogar ein paar mal aus um Fotos zu machen und ein paar Schritte zu gehen. Die Luft war so staubtrocken, dass man nach drei Minuten schon einen trockenen Hals hatte und das Bedürfnis zu trinken, obwohl wir im Auto grad noch getrunken hatten.
Bei Blick über das Tal lässt mit Salz überzogener Schlamm den Boden glänzen. Luftspiegelungen gaukeln einem sehr glaubwürdig Seen vor, hätte unser Navi nicht was anderes gesagt, hätte ich gedacht, das nächste Wasser wäre nicht weit.
Mit Einbruch der Dämmerung waren wir so gut wie durch und erreichten unser Ziel: Panamint Springs, eine Tankstelle, ein Motel, ein Restaurant, ein Campingplatz. Da das Motel belegt war mussten wir gar nicht lang überlegen und nahmen einen Platz auf dem Campingplatz. Schnell bauten wir das Zelt auf, wobei das einschlagen der Heringe ein Abenteuer für sich war.
Der Reiseführer beschreibt den Ort als eine Möglichkeit die Wüste einmal in aller Stille kennenzulernen, erst auf der Terasse des sehr guten Restaurants, dann auf dem Campingplatz inkl. beeindruckendem Sternenhimmel.
Die Aussicht von der Terasse war tatsächlich schön mit Blick über das Tal. Von der Stille hatte man allerdings nichts. Laut brummten die Klimaanlagen oder Stromgeneratoren und da das Restaurant Nachts seine großzügige Beleuchtung nicht abstellte, war der Sternenhimmel auch nicht sooo zu genießen. Aber für 7.50$ für diese Nacht kann man nichts sagen.
Heute fahren wir in den Nordwesten zum Mono Lake und wir freuen uns sehr darauf nach so vielen Tagen endlich wieder Bäume zu sehen!
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